Gaza (Stadt)
Gaza-Stadt (auch: Gasa-Stadt, phön.: zzh; arabisch غزة Ghazza, DMG Ġazza; hebr.: Άzā, עזה vom semit. ǧzz, „dornig sein“) im Gaza Gouvernement ist die größte Stadt im Gazastreifen, der seit 1994 de jure unter Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde steht, seit Juni 2007 aber de facto von der Hamas kontrolliert wird. In Gaza befindet sich der Verwaltungssitz der Autonomiebehörde. Gaza besitzt einen Seehafen am Mittelmeer und einen (zerstörten) Flughafen. Es hat etwa 400.000 Einwohner, in der Agglomeration leben 1,4 Millionen Menschen.
Geographische Lage [Bearbeiten]
Datei:Flag of Gaza.png
Ab dem 2. Februar 2009, Diese Flagge wurde von den Menschen im Gazastreifen und Gaza-Management aufgrund der zahlreichen Hilfe von Turkish people.
Flagge von New Gaza-Stadt, erste Fotos.
Die Stadt Gaza liegt bei 31° 31′ N, 34° 27′ O31.51666666666734.457. Die Stadt erstreckt sich über etwa 46 km².
Das heutige Gaza wurde über der antiken Stadt erbaut. In der Antike war Gaza bedeutend als Hafenstadt zwischen den Kontinenten Afrika, Asien und Europa. Das alte Stadtgebiet erstreckte sich quadratisch über 1 km². Gesichert wurde es durch die Lage auf einem Hügel sowie durch eine Stadtmauer mit Toren in den vier Himmelsrichtungen.
Von Thutmosis III. bis Ramses IV. war Gaza Verwaltungssitz der Ägypter in Südpalästina, damals Kanaan genannt. Die Küstenstädte Gaza, Askalon und Aschdod waren Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. noch ägyptische Zentren, bis sie von den griechisch-westanatolischen Philistern im Zuge des sog. Seevölkersturms erobert wurden. Die Philister begründeten einen regional begrenzten Fünf-Städte-Bund, die Pentapolis[1], wobei die Vormacht im Verlauf der Zeit unter den Städten Aschdod, Askalon, Ekron oder Akkaron (heute: akir), Gath (vgl. Tell es-Safi) und Gaza wechselte. Die Städte wurden von Fürsten regiert. Der ägyptische Einfluss schwand und die Philister übernahmen die regionale Vormacht. Dabei lieferten sich die griechisch-kleinasiatischen Philister mit den Israeliten und Kanaanitern über mehrere Jahrhunderte immer wieder erbitterte Kämpfe, von der biblischen Richterzeit bis zum Begin der israelitischen Königszeit. Ausgrabungen von Knochen bezeugen, typisch griechisch, erstmals den Verzehr von Schweinefleisch in dieser Zeit[2].
Seit dem frühen 11. Jahrhundert, beginnend mit König Davids Herrschaft, war Gaza unter Kontrolle der Israeliten. Gemäß der jüdisch-christlichen Tradition war Gaza der Ort der Gefangensetzung Samsons und seines Todes.
Aufgrund seiner günstigen Lage – Gaza war Endpunkt der Weihrauchstraße – stieg es im 8. Jahrhundert v. Chr. zur wichtigsten regionalen Stadt auf. Im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. wechselte die Stadt mehrfach den „Besitzer“. 734 v. Chr. wurde die Stadt von den Assyrern unter Tiglat-pileser III. erobert. Der König richtete in der Stadt ein karum ein. Die Assyrer nannten Gaza „Stadt am Bach von Ägypten“ (Nahal Mušur). Im Nimrud-Prisma rühmt sich auch Sargon II., in Gaza ein karum eingerichtet zu haben. Hanunu von Gaza rebellierte 720 gegen Sargon II. Er wurde abgesetzt, die Stadt aber nicht zerstört.
609 v. Chr. wurde Gaza wieder ägyptisch, 605/4 fiel sie ans Neubabylonische Reich. 525 v. Chr. stellte sie sich dem persischen Vormarsch nach Ägypten in den Weg, wurde letztlich aber doch ins Perserreich einverleibt. Unter den Achämeniden genoss Gaza wegen seiner Bedeutung für den Handel mit Arabien weitestgehende Autonomie.
Als Alexander der Große Gaza während des Alexanderzuges erreichte, leistete die Stadt unter dem persischen Kommandanten Batis Widerstand. Nach zweimonatiger Belagerung wurde Gaza eingenommen, die Bevölkerung massakriert und Batis mit einem Streitwagen zu Tode geschleift.
Nach dem Ende des Alexanderreichs stritten sich die Diadochenreiche der Ptolemäer und Seleukiden um Gaza, bis es 200 v. Chr. endgültig in seleukidische Hand kam. Zu dieser Zeit begann der wirtschaftliche Niedergang der Stadt, die ihre Rolle als Handelsmetropole nicht zuletzt an Alexandria verlor. Von Alexander Jannäus wurde die Stadt im Jahr 98 v. Chr. schließlich völlig zerstört.
Von den Römern, insbesondere dem Proconsul Gabinius, wird Gaza Mitte des 1. Jahrhundert v. Chr. etwas südlich des alten Stadthügels neu aufgebaut. In Römischer Zeit war es vor allem für seine Rednerschule berühmt. Im 5. Jahrhundert wurde die Stadt mehrheitlich christlich, aber auch eine jüdische Gemeinde existierte. Seine Bedeutung für den Handel erlangte es nicht wieder.
Erst im 7. Jahrhundert, nach der Niederlage der Byzantiner durch die Araber, wurde der Handel mit Mekka – entlang der Route der Weihrauchstraße – wiederaufgenommen. Die Kreuzfahrer unter Balduin I., König von Jerusalem (1100), eroberten die Stadt die Gadres genannt wurde. Balduin III. errichtete 1152 eine Festung.
1170 eroberte Saladin die Stadt. Unter Herrschaft der ägyptischen Mamelucken-Dynastie wurde Gaza zum Verwaltungssitz für den Küstenstreifen bis nördlich von Cäsarea Maritima. Ab dem 15. Jahrhundert wird von einer zahlreichen jüdischen Einwohnerschaft neben arabischer berichtet. 1799 eroberte Napoleon die Stadt für kurze Zeit, im ersten Weltkrieg bauten die Türken hier ihre erste Verteidigungslinie gegen die Briten. Nach einem erfolglosen Angriff März/April 1917, eroberten am 7. November 1917 die Briten die Stadt.
Nach dem Ersten Weltkrieg war es, wie der ganze Gaza-Streifen, ein Teil des britischen Mandats Palästina. 1948 wurde es von Ägypten besetzt, 1956 eroberte Israel es; danach stand es unter ägyptischer Verwaltung. Von November 1956 bis Juni 1967 war die Stadt auch Hauptquartier der United Nations Emergency Force (UNEF I). Im Zuge des Sechstagekriegs (1967) wurde es durch Israel besetzt, das sich 2005 völlig (Auflösung aller Siedlungen) zurückgezogen hat. Seitdem ist es Teil des von der radikal-islamistischen Hamas kontrollierten Gaza-Streifens.
Erst seit Anfang der Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts etablierte sich der Begriff Palästinenser für eine überwiegend arabische Bevölkerungsgruppe Restpalästinas. Die Bewohner in Gaza sind seit dem totalen israelischen Rückzug von 2005 sehr viel homogener und monokultureller als vorher, nämlich als nun hauptsächlich sunnitische Araber, Nachkommen der byzantinischen lokalen Provinzbevölkerung. Unter diese hatten sich seit der arabischen Ausbreitung allmählich arabische, dann ägyptische und schließlich türkisch-osmanische Einflüsse hinsichtlich der Bevölkerungsherkunft Gazas gemischt.
Vor der Zeit des byzantinischen Herrschaft in Gaza kann aufgrund der Bevölkerungsverschiebungen durch Deportationen, Vertreibungen (Assyrer, Samaritaner) und Kriege (Jüdischer Krieg) bereits für die spätantike Zeit keine Bevölkerungskontinuität mehr angenommen werden. Die Bevölkerung zeichnete schon vor der Zerstörung Jerusalems neben den jüdischen Ausprägungen, solche verschiedener orientalischer Völkerschaften (z. B. Idumäer), mit der gemeinsamen aramäischen Sprache.
Siehe auch: Palästina, Palästinensische Autonomiegebiete, Liste der Städte in den palästinensischen Autonomiegebieten, Israel
Städtepartnerschaften [Bearbeiten]
Gaza unterhält Städtepartnerschaften u.a. mit Barcelona (Spanien), Turin (Italien), Dubai (VAE) und Tromsø (Norwegen), Tel Aviv (Israel).
Gaza, Blick über die Stadt
In Gaza gibt es mehrere Universitäten, an denen zusammen 28.500 Studentinnen und Studenten eingeschrieben sind, darunter die al-Azhar-Universität und die Islamische Universität Gaza.
Bevölkerungspolitik [Bearbeiten]
Ohne Prüfung auf Richtigkeit sind dem asien guide folgende Zahlen zu entnehmen:
Auf ein Jahr bezogen:
Geburtenrate je 1000 Einwohner: 36,1
Sterberate je 1000 Einwohner: 4,1
Damit ergibt sich ein jährlicher Bevölkerungszuwachs von 3,46 %, was einer Verdoppelung der Bevölkerung in zwei Jahrzehnten entspricht. Daraus ergeben sich erhebliche Probleme, so dass eine geografische bzw. demografische Lösung erforderlich wäre. Da es derzeit keine funktionierende Regierung gibt, werden die Schwierigkeiten, die Bevölkerung zu versorgen immer größer. Christliche und jüdische Palästinenser – Juden also, die bereits vor 1948 in Palästina gelebt hatten, – wurden aus diesem Grunde größtenteils aus dem Gebiet von Gaza dauerhaft vertrieben.
Gaza Stadt verfügt über einen kleinen Flughafen. Aber 40 km südlich von Gaza Stadt befindet sich der Flughafen an der Grenze zu Ägypten, der jedoch wegen der Schäden durch die Bombardierung von Seiten Israels während der zweiten Intifada und der praktischen Luftbeherrschung Israels seither außer Betrieb ist.
Der Seehafen ist auf Grund häufiger Seeblockaden ebenfalls nur eingeschränkt nutzbar.
Die frühere Eisenbahnverbindung von Lod nach Kairo ist stillgelegt.
- Israel Ben Moses Najara (1555, Damaskus - 1625, Gaza, heb. ישראל בן משה נאג'ארה) ein jüdischer liturgischer Poet, Kommentator der Hebräischen Bibel, Kabbalist und Rabbi von Gaza
- Shabbetaj Zvi, auch Schabbatai Zewi (1626, Smyrna - 16. September 1676, Ulcinj) ein Religionsgelehrter und selbsterklärter falscher Messias aus Smyrna (heutiges Izmir)
- Nathan Benjamin Ben Elisha ha-Levi Ghazzati oder Nathan von Gaza (1643, Jerusalem – 1680, heb. נתן עזתי) ein Theologe, der durch die Verkündung des Shabbetaj Zvi als Messias bekannt wurde
- Abraham Azulai (1570, Fès - 1643; heb. אברהם בן מרדכי אזולאי) ein Kabbalist, Autor und Kommentator
- Hilarion von Gaza ein christlicher Asket, Einsiedler und Heiliger
- Muhammad ibn Idris asch-Schafii ein Abkömmling der Familie des Propheten Mohammed
- Ahmad Yasin Führender Begründer der Organisation Hamas und bis zu seinem Tod ihr geistiger Führer.
Die Zahl der Christen im Gaza-Streifen liegt zwischen 2.000 und 3.000. Die katholische Kirche unterhält eine Pfarrkirche und eine Schule. Des Weiteren gibt es eine griechisch-orthodoxe Kirche. Die anglikanische Diözese von Jerusalem unterhält in Gaza-Stadt das Al-Ahli-Arab-Hospital, das einzige christliche Krankenhaus im Gaza-Streifen. Auf dem Krankenhausgelände steht die St.-Philipps-Kirche, deren Dach während der 2. Intifada von einer israelischen Rakete durchbohrt wurde. Eine anglikanische Gemeinde existiert jedoch nicht.
Die 1993 gegründete, interkonfessionell arbeitende Palästinensische Bibelgesellschaft, deren Hauptsitz sich im Ostteil Jerusalems befindet, unterhält eine Niederlassung in Gaza-Stadt und betreibt dort seit 1999 als Gemeinschaftsprojekt mit der Missionsgesellschaft Open Doors den einzigen christlichen Buchladen im Gaza-Streifen. 2006 und 2007 war dieser nach Drohungen und Aufforderungen zur Schließung Ziel zweier Bombenattentate. Im Oktober 2007 wurde der Geschäftsführer des Ladens entführt und später ermordet aufgefunden. 2008 wurde das christliche Jugendzentrum überfallen und in die Luft gesprengt.
Bis zur Räumung der jüdischen Siedlungen (siehe Gazastreifen) im August 2005 lebten ca. 8.500 Israelis im Gazastreifen innerhalb der jüdischen Enklaven in 21 jüdischen Siedlungen. |